Yin und Yang in unserem Körper
Die Stammzellenforschung weckt weitreichende therapeutische Erwartungen und Hoffnungen. Gross war deshalb das Interesse an einem Vortrag, den Lukas Sommer bei den Gönnerinnen und Gönnern des FAN hielt. Er ist Ordinarius für Anatomie und Mitglied des Vergabegremiums für die FAN-Forschungsbeiträge (Beirat).
„Yin und Yang in unserem Körper“: Der Vortragstitel gab zu erkennen, dass sich die Stammzellenforschung in Spannungsfeldern bewegt. Diese betreffen einerseits die Wirkungen: Stammzellen ermöglichen neuartige Heilungsprozesse, aber man muss sich auch mit Abstossungsproblemen und mit der Frage auseinandersetzen, ob und unter welchen Bedingungen sie Krebs auslösen können. Dazu kommt ein ethisches Dilemma bei der Verwendung embryonaler Stammzellen.
In welche Richtung gehen die therapeutischen Erwartungen? Körpereigene Stammzellen können angeregt werden, im Körper verletzte oder kranke Zellen zu ersetzen. Blutstammzellen (Knochenmark, Nabelschnurblut) können zur Behandlung von Blutkrankheiten, Hautstammzellen zur Regeneration der Haut eingesetzt werden. In der Zukunft möchte man aber noch einen Schritt weiter und erreichen, dass Wunden eines Tages narbenfrei verheilen und verletztes Gewebe vollständig regenerieren kann. In diese Richtung zielt auch Skintegrity, eines der drei Flagship-Projekte der Zürcher Hochschulmedizin: (http://www.hochschulmedizin.uzh.ch/de/projekte/skintegrity.html).
Stammzelltherapien würden vielleicht auch möglich für Organe, die sich selbst schlecht regenerieren, erklärte der Referent. Zu denken sei an das Nervensystem oder an die Bauchspeicheldrüse. In Japan würden erste klinische Studien mit der Anwendung induzierter pluripotenter Stammzellen bei menschlichen Patienten mit Makula-Degeneration durchgeführt. Dieser Stammzellen-Typ habe zwei Vorteile: Es komme zu keiner Abstossung, weil das Gewebe vom Patienten selbst stammt, und die Therapie sei ethisch unproblematisch, weil keine Embryonen zerstört werden müssten.
Die Verschiedenartigkeit von Stammzellen sei denn auch ein zentrales Forschungsthema: Gewisse Stammzelltypen seien wohl besser geeignet als andere für bestimmte therapeutische Anwendungen.
Zwei Tatsachen von grundsätzlicher Bedeutung gab Professor Sommer den Zuhörerinnen und Zuhörern zu bedenken: Ohne Grundlagenforschung ist angewandte Forschung nicht erfolgreich, und Forschung ist global: „Schweizerische Universitäten und ETHs sind an der Weltspitze, weil sie international vernetzt sind.“
Nach dem Referat lud der ZUNIV zu einem Abendessen auf der Aussichtsplattform „Aquarium“ der Uni Irchel ein. Zwischen den Gängen gaben zwei Forscher, die Beiträge des FAN erhalten hatten, Kurzpräsentationen aus den Fachgebieten Sozial- und Wirtschaftspsychologie (Prof. Klaus Jonas) und Paläontologie (Prof. Marcelo Sánchez).
Ulrich Gut, Geschäftsführer des FAN