Geförderte Forscherinnen und Forscher 2022

Dieses Jahr fördert der FAN 11 junge Wissenschafterinnen und Wissenschafter mit total CHF 735'000.

Lucia Abela

Lucia Abela  

Entwicklung von iPSC-basierten neuronalen Zellmodellen zur Erforschung von Hexokinase-1-assoziierten neurologischen Erkrankungen 

Forschungsgebiet: Medizin, Neurologie 

Die Energieversorgung des menschlichen Gehirnes ist abhängig von einer kontinuierlichen Glukosezufuhr und -verwertung. Patienten mit angeborenen genetischen Defekten im zerebralen Glukoseabbau, sogenannten Hexokinase-1 Mutationen, leiden an schweren Entwicklungsstörungen, Epilepsien und Bewegungsstörungen, welche nur schwer zu behandeln sind. Das Ziel dieses Projektes ist es, die zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen bei Hexokinase-1 Mutationen zu untersuchen, Einblicke in die Regulation der zerebralen Energieversorgung zu gewinnen, sowie neue Therapieansätze zu erforschen. Wir werden dafür anhand von Patientenhautzellen induzierte Stammzellen (iPSC) herstellen und daraus zelluläre neuronale Modelle (sogenannte „Organoide“) entwickeln.  

 

 

Buckenmaier

Johannes Buckenmaier 

Zeitpräferenzen, Zeitinkonsistenz, und stochastische Entscheidungen

Forschungsgebiet: Verhaltensökonomik

Zeitinkonsistentes Verhalten ist bei intertemporalen Entscheidungen zwischen heutigem und zukünftigem Konsum allgegenwärtig. Zum Beispiel schaffen es viele Menschen nicht langfristig auf Süsses oder auf das Rauchen zu verzichten oder regelmäßig Sport zu treiben, obwohl sie jeden Tag aufs Neue davon überzeugt sind, es morgen besser zu machen. Eine verbreitete Erklärung für Zeitinkonsistenz basiert auf einer Verzerrung des Nutzens hin zu einer Überbewertung der Gegenwart. Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung eines stochastischen Modells für intertemporale Entscheidungen. Anhand eines Verhaltensexperimentes soll untersucht werden, inwieweit zeitinkonsistentes Verhalten tatsächlich das Resultat einer Verzerrung hin zur Überbewertung der Gegenwart ist und nicht etwa gleichermassen durch eine Kombination aus stochastischen Entscheidungen und zeitkonsistenten Präferenzen erklärt werden kann. 

 

 

Igor Delvendahl

Igor Delvendahl 

Wie Synapsen im zentralen Nervensystem trotz verschiedener Störeinflüsse zuverlässig funktionieren

Forschungsgebiet: Neurowissenschaften

Die Kommunikation benachbarter Nervenzellen über spezialisierte Verbindungspunkte (Synapsen) ist essenziell für die Funktion unseres zentralen Nervensystems. Verschiedenste Faktoren können den komplexen Prozess der synaptischen Übertragung beeinträchtigen. Ziel dieses Projekts ist die Untersuchung von Mechanismen, die Störungen synaptischer Übertragung innerhalb sehr kurzer Zeit entgegenwirken und damit neuronale Funktionen stabilisieren. Hierfür nutzen wir subzelluläre elektrophysiologische Messungen und künstliche Intelligenz-gestützte Analysen. Die Ergebnisse dieses Projekts sind relevant für ein besseres Verständnis der Entstehung von Nervenerkrankungen wie z.B. Autismus oder Schizophrenie und können zur Entwicklung von wirksameren Therapien beitragen.

 

 

Sarah Mundt

Sarah Mundt 

ZNS assoziierte T-Zellen: was unterscheidet sie in schützender Immunabwehr und Autoimmunität? 

Forschungsgebiet: Neuroimmunologie

Das zentrale Nervensystem (ZNS) ist ein hochsensibler Teil unseres Körpers, welcher von Immunzellen vor Erkrankungen wie Krebs oder Infektion geschützt wird. Dabei wird die ZNS-Immunüberwachung genau reguliert, um irreversible Schäden durch Autoimmunität, wie z.B. in Multiple Sklerose (MS), zu verhindern. 

Die ersten MS Symptome zeigen sich meist im jungen Erwachsenenalter. Ändert sich in dieser Phase etwas an der ZNS-Immunüberwachung? Wir studieren die Regulation von T-Zellen über die Lebenszeit, während Schwangerschaft und Infektion, um besser zu verstehen, wie unser Körper zwischen schützenden und autoreaktiven T-Zellen unterscheidet, um dies als Therapieansatz im Kampf gegen Autoimmun- und Krebserkrankungen des ZNS nutzen zu können.

 

 

Christina Neier

Christina Neier

Solidarität zwischen Gliedstaaten. Eine rechtsvergleichende Untersuchung eines föderalen Grundprinzips des Bundesstaates und der Europäischen Union

Forschungsgebiet: Europarecht und vergleichendes Verfassungsrecht 

Die Frage nach der Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union wurde in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Migrationskrise zu einer der drängendsten der jüngeren Zeit. Gleichwohl gibt es nach wie vor keinen Konsens zu Umfang und Grenzen der Solidarität zwischen den EU-Mitgliedstaaten. Das Habilitationsprojekt trägt zur europäischen Solidaritätsdebatte bei, indem rechtsvergleichend die Solidarität zwischen den Bundesländern von Deutschland sowie jene zwischen den Kantonen der Schweiz analysiert wird. Damit werden sowohl vertiefte Erkenntnisse über gliedstaatliche Solidarität in Bundesstaaten gewonnen als auch konkrete Lösungsvorschläge für aktuelle Problemstellungen in der Europäischen Union angeboten.

*** Ernst Göhner Stiftung Fellowship ***

 

Antonio Porro

Antonio Porro

Spezifische Hemmung von Mismatch-Repair Interaktionen zur Verbesserung von Krebs-Immuntherapien 

Forschungsgebiet: Molekulare Krebsforschung

Vererbbare Krebserkrankungen machen weltweit etwa 10% aller Krebsfälle aus. Hereditäres kolorektales Karzinom ohne Polyposis ist eine der häufigsten vererbbaren Krebserkrankungen und wird durch Mutationen in Mismatch-Repair-Genen (MMR) ausgelöst, welche für eine fehlerfreie DNA-Reparatur wichtig sind. MMR-Mutationen sensibilisieren gleichzeitig Tumore für Immuntherapie. In diesem Projekt planen wir die Entwicklung synthetischer, zellpermeabler Moleküle, die die Bindung des Reparaturgens MLH1 an verschiedenen Enzymen hemmen, um MMR-Defekte zu induzieren und potenziell jeden Tumor für Immuntherapien zu sensibilisieren. Hiermit soll ein entscheidender Fortschritt in der Krebsbehandlung erzielt werden. 

 

 

Nina Schmolka

Nina Schmolka 

Molekulare Mechanismen während der embryonalen Blutbildung 

Forschungsgebiet: Entwicklungsbiologie 

Die koordinierte Bildung der ersten Blutzellen während der Embryonalentwicklung ist für das Überleben des Embryos entscheidend und gleichzeitig nicht nur von temporärer Bedeutung. Nur während der embryonalen Blutbildung entstehen spezialisierte Blutzellen, die ein Leben lang fortbestehen. Molekulare Mechanismen, welche die Entwicklung der ersten Blutzellen regulieren, sind bis heute nicht vollständig verstanden. Dieses Forschungsprojekt untersucht verschiedene molekulare Regulatoren, welche die Entwicklung von Blutzellen ermöglichen. Die Erforschung molekularer Prozesse ist deshalb relevant, weil Leukämien bei Kleinkindern oft schon vorgeburtlich entstehen. Ein genaues Verständnis der frühen Blutentwicklung kann daher auch Erkenntnisse für die Blutkrebsforschung liefern.

 

 

Chiara Valsangiacomo

Chiara Valsangiacomo  

“Let the future be liquid.” Demokratie im 21. Jahrhundert 

Forschungsgebiet: Politische Philosophie 

Die liquide Demokratie ist ein Entscheidungsfindungssystem, welches sich durch die Mischung aus direkter und repräsentativer Demokratie auszeichnet. Damit dürfen Bürgerinnen und Bürger frei bestimmen, wie sie ihre politische Macht ausüben möchten, indem sie selbst entscheiden, über welche Themen sie direkt abstimmen und in welchen Bereichen sie lieber vertreten sein möchten. Dieses Projekt untersucht, ob die liquide Demokratie als eine gültige und legitime demokratische Innovation angesehen werden kann: Sollten wir unsere politischen Institutionen ‘liquider’ machen, und wenn ja, warum und wie? Ziel ist es, einen theoretischen und normativen Rahmen zu formulieren, der als Grundlage für den Vergleich von liquiden und traditionellen Institutionen dienen kann. 

 

 

Sofia Julia van Moorsel 

Sofia Julia van Moorsel 

Aufklärung der genetischen Vielfalt einer ökonomisch und ökologisch wichtigen Wasserpflanze 

Forschungsgebiet: Ökologie, Evolutionsbiologie

Noch ist unklar, wie sich Pflanzen an neue, widrige Umweltbedingungen anpassen können. Eine grosse genetische Vielfalt innerhalb einer Art kann aber schnelle evolutionäre Anpassungen möglich machen. Mittels neuster Sequenzierungsmethoden soll die natürlich vorkommende genetische Diversität der gemeinen Wasserlinse, Lemna minor, untersucht werden. Diese kleine, schnell wachsende Wasserpflanze hat grosses Anwendungspotential in der biologischen Schadstoffentfernung und der Herstellung von pflanzlichem Protein. Ziel ist es, besser zu verstehen, ob die gemeine Wasserlinse die genetischen Voraussetzungen hat, sich gut und schnell anpassen zu können. Falls ja, könnte sie für die Sanierung von stark verschmutzen Gewässern genutzt werden oder als Modell-Organismus der öko-evolutionären Grundlagenforschung dienen. 

*** Ernst Göhner Stiftung Fellowship ***

 

Niels Verhulst

Niels Verhulst 

Räumliche Repellentien zum Schutz von Tieren gegen Gnitzen

Forschungsgebiet: Biologie von Krankheitsüberträgern 

Gnitzen sind sehr kleine, blutsaugende Mücken von grosser tiermedizinischer Bedeutung als Überträger von Krankheitserregern (wie Blauzungenvirus) und Auslöser von Hauterkrankungen (wie ‘Sommerekzem’ beim Pferd). Ein neuartiger Schutz vor Gnitzen könnten Repellentien sein, die auf Distanz wirken und nicht direkt aufs Tier aufgetragen werden müssen. Mit dieser Studie testen wir drei räumliche Repellentien zur vorbeugenden Bekämpfung von Gnitzen - im Labor mit Hochdurchsatz -Testapparaturen sowie in großen Käfigen drinnen und im Freiland. Das beste Repellent wird dann zusätzlich in einer Feldstudie getestet. Ziel ist ein umfassender, unkompliziert anwendbarer Schutz gegen Gnitzen und damit eine im Vergleich zu gängigen Mitteln signifikant höhere Vorbeugung von Virenerkrankungen.

*** Gebauer Stiftung Fellowship ***

 

David Wörner

David Wörner

Die Einfachheit der Identität 

Forschungsgebiet: Philosophie, Metaphysik 

Heute ist die Rede von «Identität» in aller Munde. Viele sorgen sich um die Identität der Schweiz, des Westens oder des Christentums; im öffentlichen Diskurs debattiert man hitzig über sexuelle und ethnische Identität; und den politischen Gegnern wirft man Identitätspolitik vor. Doch wie ist die Rede von «Identität» eigentlich zu verstehen? Das Forschungsprojekt geht dieser Frage nach, indem es zunächst die eng gefasste Beziehung des Mit-Sich-Selbst-Identisch-Seins untersucht. Die zentrale These des Projekts liegt darin, dass diese Beziehung auf nichts Grundlegenderes zurückgeführt werden kann, dass sie aber – obwohl sie undefinierbar und gewissermassen unerklärlich ist – nicht zu einem uneinholbaren Mysterium verklärt werden soll. Diese Arbeit soll die Grundlage schaffen, um einen gemeinsamen Nenner in gesellschaftspolitischen Kontroversen um «Identität» zu finden.