Geförderte Nachwuchsforschende 2026
Die folgenden Nachwuchsforschenden haben ein «Academic Excellence Fellowship» für ihre hervorragenden Forschungsprojekte erhalten.
Epigenetische Kontrolle der DNA-Replikation auf Einzelzellniveau
Forschungsgebiete: Epigenetik, DNA-Replikation, Pflanzenentwicklung
Wachstum und Entwicklung erfordern, dass Zellen ihre DNA zum richtigen Zeitpunkt kopieren. Gerade in der frühen Entwicklungsphase können bereits kleinste Fehler schwerwiegende Folgen haben.
Dr. Isabel Díez Santos erforscht, wie die DNA-Replikation durch Epigenetik gesteuert wird, also durch Veränderungen, die die Genaktivität beeinflussen, ohne die DNA selbst zu verändern. Mithilfe von Lebendzellmikroskopie und wegweisender Einzelzell-Sequenzierung analysiert sie in der Modellpflanze Arabiodopsis thaliana, wie ein wichtiger Regulator den Zeitpunkt und Ablauf der DNA-Kopie in sich entwickelnden Geweben steuert. Dadurch soll ein grundlegender Mechanismus aufgedeckt werden, der Zellteilung und Entwicklung koordiniert.
Die unterstützende Umgebung von Darmkrebs als neuer Angriffspunkt
Forschungsgebiet: Krebsbiologie
Darmkrebs ist eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen und besonders gefährlich, wenn er sich im Körper ausbreitet. Tumoren verändern ihre Umgebung, um zu wachsen, sich auszubreiten und Therapien zu entgehen.
Dr. Hassan Fazilaty untersucht, ob dabei Programme aus der Embryonalentwicklung wieder aktiviert werden – insbesondere SoxC-Faktoren in unterstützenden Zellen der Tumorumgebung. Dazu analysiert er Patientendaten und nutzt experimentelle Modelle, um zu prüfen, ob diese Veränderungen für das Tumorwachstum notwendig sind und ob ihre gezielte Störung dieses hemmen kann. Ziel ist es, neue Therapien zu identifizieren, die nicht den Tumor selbst, sondern seine unterstützende Umgebung angreifen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Neurobiologie von Autismus
Forschungsgebiete: Neurowissenschaften, Autismusforschung, Neurobildgebung, Psychiatrie
Autismus wird bei Jungen und Männern deutlich häufiger diagnostiziert als bei Mädchen und Frauen. Zudem unterscheiden sich die Symptome, wodurch Diagnosen bei Mädchen oft später oder gar nicht gestellt werden.
Dr. Dorothea Floris erforscht, wie biologische Geschlechtsunterschiede die Entstehung und das Erscheinungsbild von Autismus prägen. Dazu verbindet sie moderne Hirnbildgebung mit genetischen und kognitiven Daten. Ziel ist die systematische Erfassung geschlechtsspezifischer Muster in der Neurobiologie von Autismus und deren Bedeutung für Entwicklung und Symptomatik. Langfristig soll so Autismus bei Mädchen und Frauen besser erkannt werden und die Grundlage für präzisere Diagnosen und individualisierte Therapien entstehen.
Mitochondriales Abbauprotein der Coenzym-Q-Produktion als neuer Therapieansatz
Forschungsgebiete: Mitochondriale Medizin, Seltene Stoffwechselerkrankungen, Pädiatrie
Coenzym Q ist ein lebenswichtiges Molekül für die Energiegewinnung in unseren Zellen. Angeborene Defekte in seiner Herstellung verursachen schwere, oft unheilbare Erkrankungen, die vor allem Kinder betreffen. Wirksame Therapien fehlen bislang weitgehend, da Coenzym Q nur schwer von aussen in die Zellen gelangen kann.
Dr. Patrick Forny hat entdeckt, dass ein mitochondriales Abbauenzym zwei Schlüsselproteine der Coenzym-Q-Produktion reguliert. In seinem Projekt untersucht er, ob die gezielte Hemmung dieses Enzyms die Coenzym-Q-Produktion in kranken Zellen wiederherstellen kann – ein neuartiger Ansatz, der erstmals das körpereigene Reinigungssystem der Mitochondrien als therapeutischen Hebel nutzt
Blockierende Autoantikörper gegen Typ-I-Interferone und ihre Wirkung auf das Immunsystem
Forschungsgebiete: Immunologie, virale Immunpathologie
Etwa 1 % der Bevölkerung produzieren Antikörper, die wichtige antivirale Proteine, sogenannte Typ-I-Interferone, blockieren. Dadurch sind sie anfälliger für schwere Virusinfektionen wie COVID-19 oder das West-Nil-Virus. Die Mechanismen dieser krankheitsverstärkenden Effekte sind bislang nur unvollständig bekannt.
Dr. Groen untersucht mithilfe von im Labor isolierten Antikörpern und Blutproben von Patient:innen, wie diese Antikörper nicht nur die Virusabwehr hemmen, sondern auch Immunzellen aktivieren können, die den Körper zusätzlich schädigen. Ziel ist es, die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen und damit die Basis zu schaffen für neue Therapien für Menschen mit blockierten Interferone-Signalen.
Das Ende des Königtums und der Aufstieg der Menschheit: Priesterschriftliche Vorstellungen vom Menschen im nachmonarchischen Israel
Forschungsgebiet: Theologie (Alttestamentliche Wissenschaft)
Wie entstand die Vorstellung eines gemeinsamen menschlichen Status? In den Kulturen des Alten Orients war die Idee des «göttlichen Abbilds» eng mit dem Königtum verbunden. Die Priesterschrift des Alten Testaments greift diese Vorstellung auf und überträgt sie auf die gesamte Menschheit.
Dr. Kishiya Hidaka ordnet diese Texte, die nach dem Ende der israelitischen Königsherrschaft entstanden sind, historisch ein, analysiert sie literarisch und vergleicht sie mit anderen antiken Traditionen. So wird nachvollziehbar, wie sich im antiken Judentum unter politischen Umbrüchen ein neues Verständnis des Menschen herausbildete. Das Projekt trägt zum Verständnis bei, wie Gesellschaften in Krisenzeiten grundlegende Vorstellungen vom Menschen neu formulieren.
Psychische Gesundheit im Klassenzimmer: Was wirkt?
Forschungsgebiet: Entwicklungsökonomie
Jedes siebte Kind weltweit leidet unter Verhaltens- und emotionalen Problemen, mit gravierenden Folgen für schulische Leistungen und spätere Lebenswege. Besonders in einkommensschwachen Ländern fehlen jedoch Ressourcen für wirksame Unterstützung.
Dr. Martina Jakob untersucht in einer randomisierten Feldstudie mit 150 Schulen und 6'750 Schüler:innen in El Salvador zwei verbreitete Ansätze: den Einsatz von Schulpsycholog:innen und die gezielte Schulung von Lehrpersonen. Gemessen werden Effekte auf Wohlbefinden, Schulleistungen, Klassenklima und Lehrpersonengesundheit. Die Erkenntnisse sollen Bildungssystemen weltweit helfen, wirksame und kosteneffiziente Unterstützung für Kinder mit psychischen Schwierigkeiten zu entwickeln.
Blinde Flecken im internationalen Friedens- und Sicherheitsrecht
Forschungsgebiet: Völkerrecht, insbesondere Friedens- und Sicherheitsrecht
Moderne Konflikte verlaufen zunehmend verdeckt: Hybride Kriegsführung, Grauzonenoperationen und indirekte Drohungen mit Gewalt bleiben bewusst unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges und nutzen Lücken im internationalen Recht aus. Dadurch wird es für Staaten schwieriger, angemessen zu reagieren und ihre Sicherheit zu gewährleisten.
Dr. Jankovic untersucht diese «blinden Flecken» und analysiert rechtliche Unklarheiten, um neue Ansätze für den Umgang mit solchen Herausforderungen zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die internationale Rechtsordnung zu stärken, politische Entscheidungsprozesse zu unterstützen und die gesellschaftliche Sicherheit in einer zunehmend komplexen Welt zu verbessern.
Wie Immunzellen die Gewebestruktur der Lunge bei Fibrose verändern
Forschungsgebiete: Immunologie und Gewebearchitektur
Lungenfibrose ist eine schwere Erkrankung, bei der sich zu viel Bindegewebe in der Lunge bildet und das Organ verhärtet. Dadurch wird die Atmung zunehmend erschwert. Bisher gelten vor allem Fibroblasten als Hauptursache dieser Veränderungen.
Neue Ergebnisse aus der Forschung von Dr. Alaz Özcan zeigen jedoch, dass auch Immunzellen – insbesondere Neutrophile – aktiv Kollagen produzieren und so die Gewebsstruktur mitgestalten können. In ihrem Projekt untersucht sie, welchen Beitrag diese Immunzellen zur krankhaften Umgestaltung der Lunge leisten. Ziel ist ein besseres Verständnis der Mechanismen hinter Lungenfibrose sowie langfristig die Identifikation neuer therapeutischer Ansätze bei chronischen Lungenerkrankungen.
Aufklärung der Mechanismen der Etablierung und Aufrechterhaltung der Ganzgenomverdopplung
Forschungsgebiet: Genomstabilität
Wenn Krebszellen ihr gesamtes Erbgut verdoppeln und dadurch polyploid werden, begünstigt dies die Entstehung aggressiver Phänotypen sowie eine geringere Wirksamkeit von Therapien.
Dr. Andreas Panagopoulos untersucht, wie solche Genomverdoppelungen entstehen und welche Mechanismen der dadurch getriebenen Krebsentwicklung zugrunde liegen. Im Fokus steht dabei die Frage, wie Polyploidie zur genomischen Instabilität und zellulären Heterogenität beiträgt und dadurch die Anpassungsfähigkeit von Tumoren erhöht. Ziel ist es, diese Prozesse besser zu verstehen und neue Kandidaten für therapeutische Interventionen zu identifizieren, die gezielt auf polyploide Tumorzellen wirken und so bestehende Behandlungsstrategien verbessern.
Humanes 3D-Hautmodell zur Erforschung entzündlicher Hauterkrankungen
Forschungsgebiete: Immunologie, Dermatologie
Hauterkrankungen wie Mastozytose, chronische Nesselsucht und atopische Dermatitis betreffen viele Menschen und schränken die Lebensqualität erheblich ein. Eine zentrale Rolle spielen Mastzellen – Immunzellen, die Entzündungen in der Haut auslösen. Bestehende Modelle bilden die menschliche Haut nur unzureichend ab, was die Forschung erschwert.
Dr. Marta Paolucci entwickelt ein humanes 3D-Hautmodell mit funktionellen Mastzellen, das die natürliche Haut realistisch nachbildet. Das Modell ermöglicht die Untersuchung mastzellvermittelter Entzündungen und die Testung neuer Therapien unter realistischen Bedingungen. Ziel ist es, Krankheitsmechanismen besser zu verstehen, Therapieentwicklung zu beschleunigen und Tierversuche zu reduzieren.
Entwicklung bildgestützter lernender Drohnen für bessere Navigation
Forschungsgebiet: Robotik
Drohnen helfen Menschen dabei, gefährliche oder schwer zugängliche Umgebungen sicher zu erkunden – etwa bei Rettungseinsätzen oder in unwegsamem Gelände. Doch bei Wind, Dunkelheit oder Nebel haben aktuelle Systeme grosse Probleme, zuverlässig zu navigieren – gerade dann, wenn sie am dringendsten gebraucht werden.
Dr. Reiter entwickelt Drohnen, die während des Flugs dazulernen und ihr Verhalten anpassen, um ihre Position sicher zu bestimmen. Dafür kombiniert er maschinelles Lernen, Optimalsteuerung und Simulationen direkt an Bord, sodass Bewegungen zunächst virtuell getestet und die sicherste Option gewählt werden kann. Ziel ist es, Drohnen zuverlässiger und effizienter zu machen und damit sicherere Einsätze zu ermöglichen.